Kurz vor dem Doppeljubiläum gibt es drei Buchtipps – passend zum Weihnachtseinkauf. Wir beleuchten darunter auch das Buch “Barrierefreies Webdesign – Attraktive Websites zugänglich machen”. Weiterhin gibt es viel von unsereren Hörern.

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Buchvorstellung: Barrierefreies Webdesign – Attraktive Websites zugänglich machen

Von Angie Radtke und Dr. Michael Charlier liegt aktuell ein Buch aus dem Addison-Wesley-Verlag vor, welches sich mit der Erstellung von zugänglichen Webseiten beschäftigt. Ein brisantes Thema, aber auch äußerst wichtig. Und genau deswegen steigen schnell Kritiker auf den Plan, die gute Vorschläge nur deswegen schlecht machen, weil sie ihnen nicht gut genug sind. Das betrifft nicht unbedingt dieses Buch, wohl aber die Diskussion über Barrierefreiheit im Netz allgemein. Und schon locke ich selbst nun die Kritiker hinter dem Ofen vor, und zwar wegen dem Wort “Barrierefreiheit”. Zugegeben, dass Wort Zugänglichkeit trifft die Sache wohl besser, schon alleine aus dem Grund, dass nichts auf der Welt wirklich barrierefrei sein kann, schon gar nicht Webseiten. Ganz pauschal ließe sich sagen: Eine Webseite setzt ein Gerät mit Internetanschluss voraus, und schon alleine deswegen kann sie nie barrierefrei sein, sofern dies fehlt. Richtig: Das ist Haarspalterei, die niemanden etwas bringt, schon gar nicht den Betroffenen. Aber worum geht es überhaupt hier, warum sollten Webseiten jedem zugänglich sein?

Kannst du dich an die erste Generation der Busse erinnern, bei der du erst drei Treppenstufen erklimmen musstest, bevor du dich auf einen Platz setzen konntest? Besonders älteren oder behinderten Menschen fiel der Zugang schwer. Erst viel später wurden so genannte Niederflurbusse konzipiert, die ohne Stufen auskommen. Bürgersteige wurden erhöht, Busse lassen sich nun zur Seite hin absenken und fahren eine Rampe aus. Heute fährt im Stadtgebiet kaum noch ein Bus mit Treppenstufen, zumindest in Hannover nicht. Warum aber das alles? Der Bus soll für möglichst viele Menschen zugänglich sein, nicht mehr aber auch nicht weniger. Gleiches gilt natürlich auch für Webseiten, sagen wir, die wir mit gutem Beispiel vorangehen wollen.

Webseiten können, je nach Benutzer ebenfalls Barrieren enthalten. Lernschwache Menschen sind bei hochtrabenden Texten überfordert, ältere oder sehbehinderte Menschen haben Schwierigkeiten, kleine Texte zu entziffern und so weiter. Es gibt so unendlich viele Dinge, die den Zugang zu Informationen erschweren können. Aber auch die benutzte Technik selbst kann eine Barriere darstellen. Und da wir Webseiten für jeden zugänglichen gestalten wollen, sprechen wir dann von zugänglichen Webseiten. Fälschlicherweise reden viele von Barrierefreiheit, womit aber das gleiche gemeint sein soll.

Fakt ist: Mit der Zugänglichkeit von Webseiten setzen selbst die Profis aus Werbeagenturen nicht wirklich auseinander. Ja selbst die Argumentation scheint schwer zu fallen. Sofern die Verantwortlichen Werber überhaupt etwas von Barrierefreiheit, pardon Zugänglichkeit gehört haben, argumentieren sie ziemlich platt. Ein oft gehörtes Beispiel: Warum sollte die Webseite vom Autohaus zugänglich sein? Kein Blinder, kein Rollstuhlfahrer wird unsere Autos kaufen. Noch besser, und da werde ich ungehalten: Wie viel Autos verkaufen wir mehr, Herr Maciejewski, wenn Sie unsere Webseite zugänglich machen? Warte mal, bis dir eine Biene ins Auge fliegt oder du dir deine Hände in der Tür ganz böse klemmst, dann sprechen wir uns wieder.

Wer Argumentationshilfen für saubere Webseiten sucht, wird auch im Buch „Barrierefreis Webdesign – Attraktive Websites zugänglich gestalten“ fündig. Das Buch klärt in den ersten Kapiteln auf, was Barrierefreiheit überhaupt ist, gibt eine Übersicht, welche Behinderungen es gibt, und das elementar wichtige: Was können wir Webentwickler dafür tun? Es liegt an uns, dafür zu sorgen, Barrieren abzubauen und keine neuen zu schaffen. Vor allem müssen wir endlich sensibler werden. Kaum ein Buch, und so viel vorweg, mag das besser näherbringen, als „Barrierefreies Webdesign“.

Die Überlegungen, eine Webseite zugänglich zu gestalten muss schon bei der Konzeption anfangen, also noch vor dem Design, bei dem ja ebenso noch die Usability zum Tragen kommt. Gerade behördliche Webseiten unterliegen Vorgaben, die es zu erfüllen gibt. Das Buch klärt auch hier auf, ohne in die gähnend langweilige Vortragsweise von Lehrern und Professoren abzugleiten. Bei aller Ernsthaftigkeit, die wir dem Thema und selbstverständlich auch den Menschen dahinter widmen müssen, um die wir uns hier kümmern wollen: Trockene Theorie langweilt, demotiviert. Und genau deshalb setzen die Autoren Angie Radtke und Dr. Michael Charlier auf praxisnahe Lektionen, vor allem aber auch auf handfeste Lösungen.

Und hier geht es richtig in die Vollen. Gleich zu Beginn des Buches widmen sie sich einer fiktiven Webseite von dem ebenfalls fiktiven Bad Seendorf. Von den gängigsten Webseiten verwendeten sie die gängisten Fehler und bauten diese in den Quelltexte ein. Die Autoren nehmen den Benutzer mit auf eine Reise und führen vor, was eine Barriere ist. Praktischer weise bieten sie neben dem Beispiel im Internet auch Lösungsvorschläge an.

Diese Art, ein Buch zu schreiben gefällt. Eine große Webseite, lässt sich, wenn überhaupt, zunächst nur erst einmal bereinigen. Wohl wissend, dass nur ein Redesign alle Fehler ausmerzen kann. Aber so lernt der Leser, auch ganz offensichtliche Mängel mehr oder weniger schnell zu beheben.

Auch wer eine ganz neue Webseite plant, wird seine Freude an diesem Buch haben. In den hinteren Kapiteln bauen die Autoren zusammen mit dem Leser eine neue Webseite auf. Die Beispiele sind nachvollziehbar und gut strukturiert. Am Seitenrand warten stets Tipps und Hintergrundwissen, vor allem aber Hinweise zur BITV (der Barrierefreie Informationstechnolgie-Verordnung). Taucht ein Problemfall auf, wird kurz erwähnt, warum dies laut BITV behoben werden sollte. Die Autoren hinterleuchten aber die BITV auch kritisch. Bravo!

Für mich war es spannend zu sehen, ob es den Autoren gelingt, ein Buch über Webseiten zu schreiben, ohne man vor dem Computer sitzen muss, um die Beispiele nachzuvollziehen. Ich lese entweder ein Buch, oder sitze vor dem Mac, dazwischen gibt es nichts für mich. Nun, größtenteils gelingt es den Autoren durchaus. Manchmal wünschte ich mir schon eine bessere Visualisierung im Buch, wurde aber wenig später wieder eingefangen und auf die Spur gebracht.

Wenn ich schon bei meinen Lesegewohnheiten bin: Lese ich Buch bis zum Ende, ist es gut. Und alleine schon deswegen kann ich „Barrierefreies Webdesign“ empfehlen. Aber auch aus fachlicher Sicht macht der Inhalt einen soliden Eindruck. An der einen oder anderen Stelle hätte ich ein anderes Markup oder andere CSS-Eigenschaften gewählt. Doch in diesem Buch, Achtung Wortspiel, geht es um die Zugänglichkeit von Webseiten, nicht um die Barrierefreiheit. Vor mir liegt keine wissenschaftliche Abhandlung, sondern eine praxisnahe Empfehlung und ein guter Einstieg ins Thema. Den Autoren kann man nur hoch anrechnen, dass sie den Sprung ins kalte Wasser wagen und ein Buch für Einsteiger verfassen. Sie reichem dem Leser zwei Hände, führen ihn durch den Dschungel von Regeln, Vorschriften und Besserwissern. Und genau darum es geht doch, oder?

Barrierefreies Webdesign, attraktive Websites zugänglich machen. Erschienen im Addison-Wesley-Verlag, ISBN 3827323797, Preis: 39,95 EUR, im Buchhandel erhältlich. Das Buch bei Amazon bestellen.

Was ist Web 2.0?

Am 20. Sept 2006 habe ich meinen Präsentationsvortrag zum Thema “Web 2.0” unter dem Titel Was ist Web 2.0? Diesmal kurz und knapp auf meiner Website veröffentlicht. Nach der Veröffentlichung habe ich mit Kristof Dreier an einer Revision des Artikels gearbeitet. Das war auch ganz gut so, denn eine aufkommende Diskussion am 27. Sept. 2006 zeigte, dass die erste Veröffentlichung noch nicht optimal war.

Das Ergebnis mit dem Titel Was ist Web 2.0? Revision 1 möchte ich hier noch mal in akustischer Form vortragen. Die insgesamt 13 Punkte sind in schriftlicher Form auf Labuschin Webdesign verfügbar.

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Dieser Beitrag wurde am Montag, 4. Dezember 2006 um 00:00 Uhr in der Kategorie Podcast veröffentlicht.
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