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Transkript der Folge

  1. David

    Heute führe ich ein sehr interessantes Interview mit dem Webdesigner Björn Seibert. Er steht Rede und Antwort im Technikwürze Interview. Hier ist der Technikwürze Podcast Nummer dreizehn vom Montag, den 20. März 2006. Mein Name ist David Macievski. Herzlich willkommen.

    Das komplette Interview mit dem dreißigjährigen Björn Seibert aus Ludwigshafen könnt ihr auch nachlesen im Webblog Maximal auf www.max.de. Ich bitte die schlechte Tonqualität zu entschuldigen.

    Hallo Björn, schön, dass du dir Zeit für das Interview genommen hast. Stell dich unseren Hörern doch einmal bitte kurz vor.

  2. Björn

    Ja, hallo David. Vielen Dank für die Einladung zum Technikwürze-Podcast. Also mein Name ist Björn Seibert. Einige werden mich vielleicht über meinen Blog kennen auf BS Minus Markup Punkt de, wo ich mich eben, sehr ausführlich mit den Themen Webstandards, CSS und Barrierefreiheit beschäftige. Derzeit bin ich dabei, die Diplomarbeit bei der ICW AG zu erstellen.

    Das Thema sind die, Evaluierung, Konzeption und Umsetzung von Web Content Management Systemen mit, starkem Fokus auf die barrierefreie Umsetzung.

  3. David

    Ja, du bist offensichtlich Webdesigner aus Leidenschaft. Warum befasst du dich mit dem Internet in dieser Form und wie kam es ursprünglich dazu?

  4. Björn

    Ich bin jetzt relativ spät zum Webdesign gekommen. Das begann im Jahr 2002, als ich damit begonnen hab, erst mal, zu experimentieren mit HTML, eigene kleine Websites aufzubauen, die aber, nicht für die Öffentlichkeit, gedacht waren. Der wirkliche Auslöser war dann im Oktober 2003, als, der 1. FC Kaiserslautern die Abteilung der Basketballer auf mich zukam und fragten, ob ich für sie die Website, neu machen könne und, darüber hinaus auch weiter betreuen.

    Anfang 2004 habe ich dann das Book von Jeffrey Selfman gelesen und, hab dann, wie man so schön sagt, Blut geleckt. Seitdem habe ich mich sehr intensiv mit den Themen Webstandards und der barrierefreien Umsetzung von Websites beschäftigt und, fast tagtäglich seither, immer wieder dazugelernt.

  5. David

    Warum setzt du denn auf Webstandards überhaupt?

  6. Björn

    Na, Webstandards ist 'n relativ strapazierter Begriff. Man sollte vielleicht, anders rangehen. Es ist eben so, wenn man sich an die Spezifikation des W3C hält, auf, bestimmte Dinge achtet, darauf achtet, dass man den Quelltext sauber strukturiert, wird sich mit der Zeit eben eine Arbeitsweise einstellen, die sehr viel effizienter ist und im Ergebnis auch bessere Websites produzieren kann. Das liegt an einem selbst.

    Ich für mich persönlich kann sagen, dass ich davon sehr stark profitiert habe und bin dankbar, dass ich den Weg so gegangen bin. Weil mittlerweile lässt es sich so sehr, angenehm arbeiten und viele Dinge gehen dir dann auch einfacher von der Hand.

  7. David

    Mit den Web Cross haben sich einige Webentwickler des deutschsprachigen Raumes zusammengetan, um Entscheider und Entwickler gleichermaßen über Webstandards aufzuklären und diese zu fördern. Du bist genauso wie ich Fördermitglied. Was erwartest du mittel oder langfristig von dieser Initiative?

  8. Björn

    Ich erhoffe mir ganz konkret, dass vor allem bei uns in Deutschland die standardkonforme und barrierefreie Webentwicklung stark an Fahrt gewinnt. Nicht als Bewegung oder Religion, wie man teilweise meinen möchte, sondern ganz konkret in der täglichen Arbeit bei der Konzeptionierung und Erstellung von Websites.

    Darüber hinaus bin ich sehr stark an einem regen Erfahrungsaustausch unter den Webdesignern interessiert, den man am besten auf so 'ner Plattform erreicht, viel mehr als der Einzelne in seinem Blog oder auf seiner Website.

  9. David

    Barrierefreie Webseiten sind thematisch viel tiefer als, ich sag mal nur valide Webseiten. In den umfangreichen Essays auf max.de ist Einsteigern und Profis Schritt für Schritt erklärt, was Barrierefreiheit ist und welche gesetzlichen Regeln man berücksichtigen sollte. Inwieweit hältst du die Barrierefreiheit in Sicht auf die Benutzbarkeit von Webseiten bei den Nutzern für wichtig?

  10. Björn

    Websites barrierefrei umzusetzen, sollte jedem Webdesigner ein Anliegen sein. Es geht dabei nicht nur um die Unterstützung sehbehinderter und blinder Besucher von Websites, sondern denken wir ganz einfach auch mal an die technologischen Barrieren. Nicht jeder kann DSL nutzen, weil es eben in vielen Stadtteilen so ist, dass die entsprechenden Leitungen nicht gelegt sind.

    Und da spielen dann eben effizienter Code, kleinere Bilddateien oder, das Weglassen von unnötigen Bilddateien eine große Rolle, wenn das um die Transferraten geht und im Endeffekt, um die Wartezeiten. Dann ist da noch die vielfältige Gerätelandschaft, die kleinen mobilen Geräte, auf denen Websites dargestellt werden sollen. Es ist auf jeden Fall mehr, als eine Website nur behindertengerecht umzusetzen in Anführungsstrichen.

    Und ganz entscheidend ist eben, ein Webdesigner macht eine Website nicht nur für sich selbst, sondern in erster Linie für seine Besucher. Sehr behilflich dabei kann's natürlich auch sein, dass man versucht, sich bestmöglich in die Benutzer reinzuversetzen oder eben auch, sei es in der Familie oder im Freundeskreis, ganz einfach mal ganz einfachen Nutzer zu befragen. Eins steht fest: Design und Benutzbarkeit sind gleich zu, zu gewichten.

    Eine Ausnahme mögen da Fotoblogs bilden oder zum Beispiel, Websites von Grafikdesignern, wo es eben darum geht, großformatige Grafen, großformatige Grafiken darzustellen als Referenzen. Da muss man ganz einfach aus der Praxis heraus auch öfters mal Abstriche machen.

  11. David

    Arbeitest du mit behinderten Menschen zusammen, um deine Webseiten und Projekte noch benutzbarer zu machen, die zu optimieren?

  12. Björn

    Persönliche Erfahrungen in der direkten Zusammenarbeit mit Betroffenen konnte ich leider noch keine machen. Aber jetzt im Rahmen der Diplomarbeit wird sich wohl die eine oder andere Möglichkeit ergeben und ich freue mich drauf, weitere interessante Kontakte knüpfen zu können. In Heidelberg gibt's 'ne Initiative, die nennt sich Web for all, erreichbar unter www.webforall.info. Die möchte ich zum Beispiel mal besuchen.

  13. David

    Bist du sehr akribisch und konsequent bei der Umsetzung von validen Webseiten? Achtest du penibelst drauf, jede Miniwarnung eines Validators zu eliminieren?

  14. Björn

    Ich bin schon relativ akribisch, aber normalerweise kann man ohne größeren Aufwand alle Fehler eliminieren. Natürlich am Anfang ist das relativ schwierig, aber mit der Zeit, gewinnt man immer mehr Routine im Umgang mit dem Quellcode und wenn's dann irgendwann mal rund läuft, ist man froh, dass man die kleinen bis mittleren Hürden am Anfang genommen hat.

    Aber egal, wie sehr man sich an, Richtlinien hält, so zum Beispiel auch die BITV, die gewisse Regeln für die Erstellung barrierefreier Webinhalte aufstellt. Es kann nicht schaden, auch mal den einen oder anderen Checkpunkt zu hinterfragen und auf seine praktische Relevanz hin zu überprüfen.

  15. David

    Programmierst du auch in PHP und setzt Datenbanken auf?

  16. Björn

    PHP beherrsche ich für den Hausgebrauch. Also ich kann keine eigenen, umfangreichen Webanwendungen selbst programmieren, aber es reicht dazu, um, um an der einen oder anderen Stelle dynamische Inhalte unterzubringen und auch mal die Datenbanken abzufragen.

  17. David

    Gibt es andere Programmiersprachen, denen du dich in Zukunft noch widmen möchtest? Also Stichwort zum Beispiel Ruby.

  18. Björn

    Auf jeden Fall. Derzeit beginne ich damit, mich intensiv mit Ajax zu beschäftigen, werde jetzt auch demnächst ein Buch zum Thema lesen und mich so der Materie nähern, denn, ich bin davon überzeugt, dass in Zukunft keine Website mehr ohne gewisse interaktive Elemente auskommt. Websites bekommen in Zukunft immer mehr Anwendungscharakter und da sollte man schon dranbleiben, zumindest um zu verstehen, von was 'n Programmierer spricht, mit dem man zum Beispiel in der Praxis zusammenarbeitet.

    Und um ihm im Endeffekt auch mal mitteilen zu können, was man denn an der einen oder anderen Stelle an Code braucht oder wie sich 'n bestimmtes Element auf 'ner Website verhalten soll.

  19. David

    Mit welchem Programm arbeitest du, um eine Webseite from the scratch zu entwickeln?

  20. Björn

    Ich selbst setze da, auf Texteditoren, wobei man keine bestimmte Empfehlung abgeben kann. Also das Programm sollte einen auf jeden Fall dabei unterstützen, sauberen Quellcode zu schreiben, zum Beispiel durch Funktionen wie Syntax Highlighting, dass man die Übersicht behält, Umlaute umwandeln oder die gängigen Tags einfach automatisch zu schließen.

  21. David

    Mit Manuela Hoffmann, einer Webdesignerin aus Berlin, hast du letztes Jahr das Buch "Professionelles Webdesign mit XHTML und CSS" auf den Markt herausgebracht. Dort sind sehr, sehr viele Tipps und Beispiele auch aus deiner Erfahrung heraus, aufgeführt. Wie kommt denn das Buch bei deinen Lesern an?

  22. Björn

    Wir waren und sind immer noch sehr überrascht, wie das Buch eingeschlagen hat. Also wir waren zum Beispiel wochenlang die Nummer eins im Bereich Webdesign bei Amazon, sind weiterhin Bestseller des Verlags. Es gab sehr viel Trubel und damit einhergehend natürlich auch, sehr viele persönliche Anfragen per Mail, die entweder über die Website zum Buch kommen oder eben direkt an uns gewendet sind.

    Und ich bitte unsere Leser auch ganz einfach auch um 'n bisschen Geduld mit uns, denn, die Anzahl der Anfragen und eben auch die eigenen Projekte und die Arbeit, mit der man beschäftigt ist, lassen eben ausführliche Antworten nicht immer zu. Aber ich denke, wir machen das schon ganz gut und sammeln natürlich auch tagtäglich Erfahrungen.

    Wir sind auf jeden Fall motiviert, auf diesem Weg weiterzumachen und so wird's auch, 2007 an die konkrete Planung für die zweite Auflage gehen, wo es dann darum geht, einfach auf Anregungen von bestimmten Lesern hin Anpassungen vorzunehmen, gewisse Teile vielleicht zu kürzen, hier und da 'ne Erweiterung zu schreiben und auch den technologischen Wandel auch zu berücksichtigen, damit zukünftige Leser auch immer ein möglichst aktuelles Buch in Händen halten.

  23. David

    Neben deiner Webseite BS Markup fütterst du wissensbegierige Webentwickler auch auf dem neuen Portal Webdevbits mit Hintergrundwissen. Was ist Webdevbits?

  24. Björn

    Also die Webdevbits sehe ich noch nicht als Portal. Der Weg kann dahin gehen.

    Im Moment ist es 'ne Möglichkeit, dass wir drei dort Inhalte bieten können beziehungsweise Inhalte dort Platz finden, die wir in unseren eigenen Weblogs nicht unterbringen, aber die uns auch interessieren und von denen wir denken, dass sie eben auch, sei es ambitionierte oder auch professionelle Webdesigner dabei unterstützen, sich weiter über die Themen zu informieren und, dabei auch 'n bisschen zu versuchen, die ganze Information zu bündeln und zu kanalisieren.

  25. David

    Du engagierst dich in Sachen Webdesign auch stark in deinem eigenen Blog und, bei csshilfe.de. Soll Webdevbits die verschiedenen Schwerpunkte bündeln oder richtig eigene Wege gehen?

  26. Björn

    Es ist ganz einfach so, vor allem auch im Bereich Webstandards: Wir können viel mehr, als man derzeit von uns liest und wir möchten auch die Leute 'n bisschen animieren, sich mehr zuzutrauen. Denn ich bin mir ganz sicher, es gibt noch sehr viele interessante Inhalte da draußen. Vielleicht hat sich der eine oder andere nur noch nicht getraut, 'n Artikel draus zu machen. Schön wär's, wenn das mehr werden.

    Und Roger Johanssons neue Artikelserie, wo's um die Grundlagen barrierefreie Webentwicklung geht, wo's darum geht, den Webentwicklern zu zeigen, wo man am besten beginnt, war auch ein Anlass dazu, mal eine Übersetzung anzuregen. Habe ich das in der Vergangenheit noch selbst getan, komme ich jetzt leider nicht mehr dazu und deswegen ein kleiner Aufruf und mit Nadja Müller hat sich ja eine Leserin gefunden, die gerade dabei ist, diese Serie zu übersetzen.

    Und wie ich finde, macht sie das auch sehr gut.

  27. David

    Wie bringst du denn die verschiedenen Medienkanäle alle zeitlich unter?

  28. Björn

    Na, die Zeit ist derzeit wirklich, sehr knapp bemessen. Momentan lege ich bei meinen privaten Projekten den Schwerpunkt mehr auf die Web Dev Bits, um das Projekt auch in Fahrt zu bringen. Auf meiner Website geht es natürlich, wie gehabt weiter, auch wenn die Schlagzahl etwas gesunken ist, wie man vielleicht den Archiven entnehmen kann. Aber es wird immer wieder, auch ausführliche Artikelserien zu den Themen geben.

    Meine Erstpriorität in den nächsten sechs Monaten wird ganz klar die Diplomarbeit sein, aber auch die Weiterentwicklung der Web Dev Bits, der Erfahrungsaustausch mit anderen Webdesignern und, auch im Sommer irgendwann ein Redesign meiner eigenen Website, wo sich doch, über die Zeit sehr viele Inhalte angesammelt haben. Und da geht es eben darum, diese etwas besser, zu strukturieren und auch mal die Archive anzugehen.

  29. David

    Technikwürze ist ein neuer Medienkanal, der die Vorteile von Webstandards auch auditiv transportiert und persönlich auf die Menschen zugeht. Was erwartest du und erhoffst du dir speziell von diesem Podcast?

  30. Björn

    Ich bin seit Anfang an ein begeisterter Hörer von der Technikwirt und ich muss sagen, das ist eine gute Mischung, von Themen kurzweilig rübergebracht und vor allem wird das Warum betont. Also es geht nicht zu sehr um die technischen Details, als vielmehr darum, Mittel und Wege aufzuzeigen, wie man im Ergebnis zu qualitativ hochwertigen Websites gelangen kann und das auch noch, sehr kurzweilig unterhalten.

  31. David

    Was möchtest du denn unseren Hörern noch mit auf den Weg geben?

  32. Björn

    Alle, die sich für Webstandards barrierefreie Websites einsetzen, sollten weiter mit Ehrgeiz ihre Ziele verfolgen und auch nicht aufgeben. Kompromisse wird man immer machen müssen, aber trotzdem der Aufwand lohnt sich. Vor allem darf man aber auch den Spaß an der Sache nicht vergessen. Speziell bei uns kann man vielleicht auch ein bisschen selbstbewusster auftreten, denn ich bin mir ganz sicher, dass auch, unsere Webdesigner in Punkt DE selbst in der Lage sind, Maßstäbe zu setzen.

    Da müssen wir nicht immer nur i-international hinterherhecheln und, nachbeten. Wir können auch eigene Inhalte produzieren.

  33. David

    Björn, ich danke dir für dieses sehr interessante Interview.

  34. Björn

    Danke für die Einladung, an deinem Podcast teilnehmen zu können und so auch intensiver das für mich neue Medium Podcast kennenzulernen. Und, ich wünsche dem Podcast auf jeden Fall für die Zukunft alles Gute und freue mich schon auf die nächsten Ausgaben.

  35. David

    Das war das Interview mit Björn Seiwert. Das komplette Interview könnt ihr auch nachlesen im Weblog Maximal auf www max Punkt de, M A X Punkt de. Wenn ihr Fragen oder Antworten habt, schreibt es uns bitte auf Echo at Technikwürze de in der E-Mail oder im Weblog. Das war der Technikwürze-Podcast Nummer dreizehn von Montag, den 20. März 2006. Nächste Woche Montag gibt's wieder einen neuen Technikwürze-Podcast. Ich sage Danke schön fürs Zuhören. Bis dahin. Der Podcastclub für Eins.

Technikwürze - Webstandards im Fokus. Im Interview dieses Mal: Björn Seibert von bs-markup.de, der zusammen mit Manuela Hoffmann das Buch "Professionelles Webdesign mit (X)HTML und CSS herausgebracht hat.

Das komplette Interview gibt es auch zum nachlesen auf macx.de 1

Fußnoten

  1. Link entfernt, da nicht mehr erreichbar ↩

Erwähnungen 2

Kommentare 3

  • Ich bin immer noch der Meinung dass man html und css nicht lernt, indem man sich ein Buch durchliest sondern dadurch, dass man es sich selbst anhand von tutorials am PC beibringt. Selbst erforschtes und herausgefundenes bleibt einfach viel besser "haften" als wenn man sich beim lesen Notizen macht.

  • So ganz stimmt das nicht. Denn wenn man grundsätzlich keine Ahnung hat, welche Elemente man wofür genau verwendet, ergibt das Result zwar eine Webseite, aber niemand würde es so umsetzen.
    Du könntest auch ein Auto mit Holzreifen bauen, weil es funktioniert und du beim schreinern gut bist. Aber niemand würde Holzreifen auf ein Auto packen.

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