Der Browserkrieg Technikwürze 17
Zur Osterausgabe schauen wir zurück in die Geschichte und erzählen von der Entwicklung des Internets. Der Browserkrieg ist unter anderem für die katastophalen Webseiten mit Tabellenlayouts verantwortlich. Was der Browserkrieg überhaupt ist, in dieser Folge des Podcasts Technikwürze.
Transkript der Folge
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David Ostermontag, der siebzehnte April 2006. Hier ist der Technikwirt zu Podcast Nummer siebzehn. Heute die Entwicklung des Internets und der Browserkrieg, 1995 bis 2001. Mein Name ist David Masieski. Herzlich willkommen.
Wir blicken zurück ins Jahr 1982. Erstmalig fällt der Begriff Internet. Die bereits zehn Jahre zuvor gegründete Internet Working Group, INWG, die sich schon damals mit den Grundlagen von technischen Übertragungsprotokollen auseinandersetzte, stellte das standardisierte TCP, Transmission Control Protocol, sowie IP, Internet Protocol, vor.
Dies war ein bedeutender Schritt nach vorne, denn nun konnten die vielen einzelnen voneinander isolierten Netzwerke mit ihren jeweils eigenen Übertragungsverfahren sich zusammenschließen. TCP IP wurde zum Standard und das ist es heute noch. 1989 schließen sich die europäischen Serviceprovider zum RIPE zusammen und schaffen gemeinschaftlich die technische und administrative Basis für ein europäisches Netzwerk. Ein Jahr später dringt das Internet in kommerzielle Sphären ein.
Die US-amerikanische National Research Initiative bietet das neue MCI Mail an. Gleichzeitig hört der Urgroßvater des Netzes, das ARPANET, auf zu existieren. 1992 kommt ein neuer Servicedienst zu den bereits bestehenden Internetkomponenten E-Mail, FTP, TLnet, Vase und Grofan zu, das World Wide Web. Mit ihm einher geht die neue Seitenbeschreibungssprache HTML, vorgestellt durch Tim Bernhard Lee am Schweizer Kernforschungszentrum CERN.
HTML ist heute noch das tägliche Brot aller Webgestalter, allen Unkenrufen von Flash, XML und so weiter zum Trotz. Was inzwischen alles mit HTML gemacht wird, ist wesentlich umfangreicher als alles, was man sich für diese Sprache einmal vorgestellt hatte. Umso wichtiger sind Standards, die sicherstellen sollen, dass HTML-Dokumente validiert werden können, um eine einigermaßen korrekte Darstellung in beliebiger Software zu gewährleisten.
Dass sich hier in den letzten Jahren eine ganze Menge getan hat, soll exemplarisch der Rückblick auf den Browserkrieg erklären.
Der Browserkrieg von 1995 bis 2001.
Begonnen hat die Geschichte mit der Software Mosaic, die der Student Mark Andressen 1992 am National Center for Supercomputing Applications NCSA an der Universität Illinois entwickelt. 1993 war sein Browser extrem erfolgreich und mutiert zum De-facto-Standard. "An application program so different and so obviously useful that it can create a new industry from scratch" dreiundneunzig.
Besonders innovativ an Mosaic war die gleichzeitige Darstellung von Text und Grafik innerhalb einer Seite sowie die visuelle Unterstützung von Hyperlinks. Ebenfalls integriert war die intuitiv zu bedienende Oberfläche Graphical User Interface. Mosaic wurde für nahezu jede Hardwareplattform angeboten. Mitte 1994 gründeten Anderson und Jim Clark die Mosaic Communications Corporation im Silicon Valley, die Ende 1994 in Netscape Communications Corporation umbenannt wurde.
Das Geschäftsmodell: Für Studenten und Bildungseinrichtungen war der Browser frei zugänglich. Für alle anderen kostete die Software neununddreißig Dollar. Parallel dazu entwickelte Netscape Server Software inklusive SSL-Technologie, die im preislichen Segment zwischen eintausendfünfhundert bis fünftausend Dollar vor allem von Versandfirmen und Banken verkauft wurde. Die Strategie hieß Marktanteile vor Gewinn. 1995 betrug der Marktanteil von Netscape fünfundachtzig Prozent.
Anfang 1996 erkennt Microsoft auf einmal das ungeheure Potenzial des Internets, welches man in Redmond jahrelang nicht beachtet beziehungsweise kräftig unterschätzt hatte. Kurzerhand lässt Bill Gates eine Milliarde Dollar in die Entwicklung des Microsoft Internet Explorer, kurz IE, investieren. Seine Strategie sieht anders aus als die von Netscape. Den IE kann jedermann kostenlos im Netz herunterladen. Die ersten Versionen des IE sind kaum erwähnenswert.
Selbst die Version drei null hinkt hinter dem ebenfalls unter dieser Release-Nummer erscheinenden Netscape-Browser technisch hinterher. Doch bereits die folgende Version übertrifft den ebenfalls neuen Netscape Communicator. Microsoft geht einen Schritt weiter und überredet die PC-Hersteller, Windows fünfundneunzig gemeinsam mit dem Internet Explorer als Standardausrüstung für jeden PC zu installieren.
In den folgenden Jahren nutzt der Redmonder Riese seine führende Marktstellung weiter aus und koppelt den Internet Explorer mit Windows achtundneunzig. Und das neue Windows NT sticht das neue Netscape-Paket im Bereich Server Software aus. Gleichzeitig entwickelt Microsoft eigene Standards und Formate, zum Beispiel Active X. Im Dezember 1997 ergeht ein einstweiliges Urteil gegen Microsoft. Die Windows-Lizenzvergabe ist nicht mehr an die Installation des Internet Explorer gebunden.
Ein Jahr später wacht Netscape endlich auf und ändert seine Strategie. Auch der Communicator kann nun kostenlos aus dem Netz heruntergeladen werden. Inzwischen ist Microsoft eine Allianz mit AOL eingegangen und erhält dadurch rund 13 Millionen neuer Internet Explorer Benutzer auf einem Schlag. Mit diesem Coup zieht die Gates Company mit Netscape gleich. Es kommt zwischen den beiden Unternehmen zu einem Wettbewerb zwischen Standards, der auf den Schultern der Benutzer ausgetragen wird.
Im April 1998 legt Netscape den Quellcode seines Browsers offen. Das Mozilla Projekt ist geboren. Ein von Netscape weitestgehend unabhängiges Entwicklerteam überwacht als Koordinator die selbstständige Weiterentwicklung des freien Browsers. Das Release von Netscape 6 mit Mozilla Know how floppt gewaltig. Gleichzeitig bringt Mozilla das erste eigene Release heraus. Mit Beginn des neuen Jahrtausends ist der Marktanteil von Netscape faktisch bedeutungslos geworden.
Ob es nun an der schieren Größe des Gegners gelegen hat, an der viel zu späten Reaktion auf die Konkurrenz oder die möglicherweise chaotischen Strukturen der Open Source Szene, sei an dieser Stelle dahingestellt. Das war die 17. Ausgabe des Technikwürze Podcasts. Hinterlasst mir bitte eure Meinung unter www.Technikwürze.de oder schreibt mir eine E-Mail an echo@Technikwürze.de. Aus dem Podsave Music Network gibt's jetzt noch Alison Crowe mit Skeletons and Spirits. Viel Spaß!
Bis zum nächsten Montag. Die Mucke.
Zur Osterausgabe schauen wir zurück in die Geschichte und erzählen von der Entwicklung des Internets. Der Browserkrieg ist unter anderem für die katastophalen Webseiten mit Tabellenlayouts verantwortlich. Was der Browserkrieg überhaupt ist, in dieser Folge des Podcasts Technikwürze.
Erwähnungen 3
Kommentare 6
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Sehr informativ, sehr schön gestaltet.
Danke -
hallo,
der 17. war mein erster technikwürze-podcast. kompliment! gut gemacht, informativ und die musik professionell beigemixt und damit den "joy-of-use" gefördert. gratz! -
schade.. die nachfolgenden Browserhistorie hab ich vermisst.
-> kann ja noch werden; in der 18. Ausgabe :)) -
Wieder ein Stückchen mehr Klarheit bei mir, was die Browsergeschichte angeht. ;)
Vielen Dank für diesen Podcast!
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Und es ergeht mal wieder (bei dieser Folge besonders) der Wunsch nach dem Script der Folge auf dieser Seite zum Nachlesen... – auf jeden Fall vielen Dank für die Aufbereitung, ich freue mich auf Teil 2 zum Thema.
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Du kannst alles nachlesen auf www.macx.de/essays/barrierefrei/